Einer der größten Ströme der Welt, die Donau, fließt durch Europa von West nach Ost und verbindet zehn Länder miteinander. Auf diesem Strom wird seit 1956 jährlich die längste Kanu- und Ruderwanderfahrt der Welt durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Kanuwanderfahrt mit Gepäck. Die jetzige Strecke beginnt seit 1969 (XIV. TID) immer Ende Juni und führt über die weiteren organisierenden Länder Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien und Rumänien und endet Mitte September nach 2516 Kilometer in Sfantu Gheorghe/Rumänien am Schwarzen Meer.
Verbunden mit der Veranstaltung ist ein jährliches Treffen der Teilnehmer des vergangenen Jahres bei einem gastgebenden DKV-Verein; im kommenden Jahr wird die Veranstaltung von uns Wikingern ausgerichtet und wir werden viele der neu gewonnenen Freunde aus der diesjährigen Tour wiedersehen und uns über gemeinsam erlebte Abenteuer unterhalten.
Insgesamt acht Vereinsmitglieder (Stefan S., Achim S., Horst N,. Rolf K., Hartmut „Hatte“ S., Gesina G., Felix L., und Helmut B.) beteiligten sich in diesem Jahr als Gruppe an der TID 2011, und wir fuhren die deutsche Strecke von Ingolstadt nach Erlau an der österreichischen Grenze. Das waren 240 Flusskilometer in fünf Paddeltagen. Außerdem waren drei Mitglieder mit von der Partie, nämlich Albrecht und Toni Kumm sowie Jörg Meincke in seiner Funktion als Fahrtenleiter der deutschen Strecke. Damit waren wir zahlenmäßig die stärkste Vereinsmannschaft. Darauf waren wir natürlich mächtig stolz! Bevor die eigentliche Tour für uns am Sonntag in Ingolstadt begann, waren am Samstag noch einige Formalien zu erledigen wie die Akkreditierung für den gebuchten Abschnitt, die Sicherheits- Schulung und die Einholung weiterer Informationen.
Entgegen der Wettervorhersage begann der Sonntag nicht mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, sondern eher kühl, wolkenverhangen und ab und zu mit leichtem Regen. Aber was machte uns zähen Flusswanderern das schon aus? Trotzdem: Vor den vor uns liegenden Herausforderungen schwankte die Stimmung zwischen Vorfreude, Angst und Neugierde. Was wird uns die Fahrt bringen?
Der Fahrtenbeginn am Sonntag: 45 Kilometer bei teilweise fast stehendem Wasser lagen vor uns. Nach der ersten Schleuse ging es aber dann recht flott voran. Der Weg führte an sehr attraktiven und weniger pittoresken bayerischen Landschaften vorbei. Trotz der langen Strecke war noch Zeit, eine Mittagspause mit original niederbayerischen Schmankerln einzulegen und sogar noch eine Kaffeepause im historischen Kloster Weltenburg (wo das berühmte Klosterbier herkommt) zu genießen. Die erste Übernachtung war auf dem Gelände eines Sportplatzes in Kelheim, auf dem uns noch ein gemütlicher Abend erwartete.
Der zweite Tag (Siebenschläfer) war rundherum ein sehr schöner Paddeltag. Die Sonne schien freundlich aus einem blauen Himmel bei 30°, und wir fuhren fröhlich und entspannt durch eine schöne abwechslungsreiche Landschaft. Schroffe Felswände, von Wäldern umrahmt, wechselten sich mit malerischen Dörfern mit Zwiebelturmkirchen ab. Na ja, ihr seids halt in Bayern. Sehr schön anzusehen, wie dutzende bunter Boote den Fluss hinunterfuhren.
Ein zweifellos interessantes Highlight war die Bootsgasse am Wehr in Bad Abbach. Hier ging es steil bergab etwa 5 Höhenmeter herunter in eine gewaltige Welle, die sich unten aufbaute. Da blieb kein Boot trocken. Einigen Paddlern schwappte das Wasser sogar bis über den Kopf!
Der dritte Paddeltag stellte alle Teilnehmer vor eine besondere Herausforderung: 55 km paddeln bei Temperaturen über 32°, kaum Luftbewegung und kaum Strömung.. Also lautete die Parole: Sehr früh raus und vor 7 Uhr im Wasser, was auch tatsächlich gelang! Als erstes mussten wir durch die Schleuse in Regensburg, was problemlos war, aber ungefähr eine Stunde in Anspruch nahm. Im zweiten Abschnitt eine atemberaubend schöne Umgebung geschmückt von Klöstern, Ruinen und der „Walhalla“ alles umrahmt von frischen grünen Hügeln. So machte paddeln richtig Spass. Auch das Befahren der Bootsgasse Straubing (5,40 m Höhenunterschied) war keine richtige Herausforderung, weil die Rasanz der Abfahrt durch Bremsbürsten auf der Rutsche abgemildert wurde. Am Ende des Tages war einigen doch die Erschöpfung anzumerken, und wir waren alle froh, dass der nächste Tag in Straubing ein Ruhetag war.
Der vierte Aktivtag führte uns über 60 km nach Winzer, einem kleinen Donauanrainerort. Heute war das Wetter eher die Herausforderung, weil es bereits am Abend zuvor zu regnen anfing. Die Abfahrt dauerte lange, weil wir keinen Anleger beim Gastgeber PC Straubing hatten, sondern eine Art Terrasse aus teilweise zerbrochenen und sehr glitschigen Steinplatten. Und das bei recht flotten Strömungsverhältnissen. Bei stetigem Regen fuhr unsere Truppe los. Gegenüber den beiden Vortagen war das Thermometer um ca. 20° gefallen. Bis zur Mittagspause waren alle einigermaßen durchnässt, was aber der guten Stimmung nur wenig Abbruch tat. Am Ende kamen alle ziemlich „in time“ in Winzer an, wo wir von einer bayerischen Livekapelle und einer rustikalen Mahlzeit (Leberkäs mit Kraut und Kartoffelsalat und einer Brezen begleitet von einem gescheiten Bier) und einem lodernden Lagerfeuer freundlich empfangen wurden. Die Etappe ist übrigens mit Abstand die längste der ganzen Tour nach der schwierigsten am Dienstag davor.
Der fünfte (letzte) Paddeltag – mit 52 km schon fast eine Kleinigkeit – führte uns zum Endpunkt in Erlau direkt vor der deutsch-österreichischen Grenze. Nach einer klaren und entsprechend kalten Nacht empfing uns ein nebliger Frühmorgen mit einem traumhaften Sonnenaufgang. Die Sonne – erst dunkelrot dann immer strahlender und wärmer – löste den Flussnebel schnell auf und präsentierte uns einen makellosen blauen Himmel. Wir freuten uns auf einen schönen Abschlusstag, weil wir noch nicht wussten, was uns der Nachmittag noch bescheren würde. Nach einer zünftigen Mittags-Brotzeit im Fischerhäuschen bezieht sich der Himmel plötzlich und eine schwarze Wolkenwand kommt bedrohlich näher! Der Wind frischte auf; wurde gar zum Sturm, der innerhalb von Minuten das Wasser der an dieser Stelle ca. 500 m breiten Donau in ein Inferno von hohen, kurzen Wellen von 1 m Höhe verwandelte. Für Anfänger und fortgeschrittene Anfänger eine kritische Lage. Zum Glück gelang es uns in eine kleine Bucht zu paddeln, wo wir abwettern konnten.
Der Rest der Fahrt ging gut voran. Nach der Schleusung am Wasserkraftwerk Kachlet kurz vor Passau, wo ein paar winzige Boote sich die gewaltige Anlage mit einem riesenhaft erscheinenden Frachter teilten, ging die rasante Fahrt entlang der historischen Altstadt Passaus bis zum Ziel.
Insgesamt war die Fahrt für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis. Die Bewältigung der Herausforderungen sportlicher und mentaler Art brachte ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit, was auch die sehr gute Kameradschaft und die immer gute Stimmung unter uns galt.
Helmut Böhler